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Sanierung Trinkwasserspeicher WeidhofSanierung Trinkwasserspeicher Weidhof

Auszug aus dem Gießener Anzeiger vom 01.12.2015

Edelstahltreppe führt hinab ins Trinkwasser
INFRASTRUKTUR Zweckverband Lollar-Staufenberg saniert Trinkwasserspeicher Weidhof / Seit 1967 bisher 50 Millionen Kubikmeter verteilt / Spezielle Beschichtung

STAUFENBERG - (sl). Ein Sanierungsprojekt der besonderen Art läuft beim Zweckverband Lollar-Staufenberg (ZLS). Er betreibt nördlich von Staufenberg den 1967 errichteten Trinkwasserhochbehälter Weidhof. Dabei handelt es sich um einen Trinkwasserspeicher, der als sogenannter „Brillenbehälter“ angelegt wurde, und dessen beide Rundkammern Trinkwasser in einer Menge von jeweils rund 1200 Kubikmeter fassen.
Aufgrund der zentralen Lage im Versorgungsgebiet kommt dem Trinkwasserspeicher eine große Bedeutung innerhalb der kommunalen Wasserversorgung zu. Seit seiner Inbetriebnahme wurden rund 50 Millionen Kubikmeter Trinkwasser über die Speicheranlage an die daran angeschlossen Verbraucher verteilt. Im Sommer 2014 wurde jetzt eine umfassende Untersuchung der Gebäudesubstanz vorgenommen, um die hohen Anforderungen an die hygienischen Verhältnisse innerhalb der Trinkwasseranlage zu sichern. Aufgrund der Ergebnisse der Bauzustandsanalyse entschied der ZLS, ein dreistufiges Sanierungskonzept zur Instandsetzung der Speicheranlage umzusetzen, und hat die erste Bauphase im August 2015 begonnen. Diese umfasste die vollständige Sanierung der beiden Speicherkammern, mit einem speziell für die Anwendung im Trinkwasserbereich entwickelten mineralischen Mörtel, der nach dem Abtrag des seit 48 Jahren bestehenden Oberflächenschutzsystems an den Wänden, am Boden und an der Wasserkammerdecke aufgetragen wird.
Dabei verhindern Beschichtungsmörtel dieser Art aufgrund ihrer chemisch-physikalischen Eigenschaften nachhaltig negative Beeinträchtigungen des Trinkwassers, wie zum Beispiel mikrobielle Anlagerungen. Mit den Arbeiten wurde ein speziell für Projekte im Trinkwasserbereich zertifiziertes Unternehmen beauftragt. Neben der Neubeschichtung der Stahlbetonbauteile werden die Zugänge zu den Wasserkammern durch den Einbau von Edelstahltreppen deutlich verbessert. Auch wurden die Rohrleitungen innerhalb der Wasserkammern erneuert und neue Be- und Entlüftungsanlagen eingebaut.
Mittlerweile ist eine der beiden Wasserkammern fertiggestellt und nach Feststellung der hygienischen Unbedenklichkeit bereits wieder in die Versorgung eingebunden. Die Sanierung der zweiten Wasserkammer wird zu Beginn des kommenden Jahres aufgenommen, und bis etwa Mitte Mai 2016 abgeschlossen sein. Dann will der ZLS die zweite Bauphase angehen, in deren Rahmen die Außenabdichtung der Wasserkammern und die Wärmedämmung erneuert werden sollen. In einer dann noch geplanten dritten Stufe, soll die vollständige Erneuerung der rohrleitungs-technischen Installationen, innerhalb der Bedienkammer der Trinkwasserspeicher-anlage erfolgen.
Kosten der gesamten Maßnahme belaufen sich auf rund 1,4 Millionen Euro und stellen einen hygienisch einwandfreien Weiterbetrieb des Hochbehälters Weidhof und die darüber erfolgende Trinkwasserversorgung für die nächsten vierzig Jahre sicher, erklärte ZLS-Geschäftsführer Jochen Becker.



Neu ist, dass bei der Sanierung der Wasserkammern im Hochbehälter Weidhof eine Edelstahltreppe eingebaut wurde, um den Zugang zu verbessern.
Foto: Scherer

Auszug aus der Gießener Allgemeinen Zeitung vom 08.12.2015

Wo das Trinkwasser wohnt
Zweckverband Lollar-Staufenberg will Hochbehälter "Weidhof" sanieren



Unscheinbar liegt er in Staufenberger Gemarkung und verströmt von außen so viel
Flair wie eine Tankstelle. Wer aber ins Innere gelangt, eine schwere Tür öffnet und
die ersten Stufen der Treppe betritt, dem hallen zuerst die eigenen Schritte laut entgegen. Darunter lagern normalerweise Tausende Kubikmeter Trinkwasser. Doch aktuell wird der Hochbehälter Weidhof aufwendig vom Zweckverband (ZLS) Lollar-Staufenberg für 1,4 Millionen Euro saniert.
Seit 1967 gibt es diesen Trinkwasserbehälter. Der Speicher besteht aus zwei Kammern, die jeweils 1200 Kubikmeter fassen. Wegen seiner zentralen Lage im Versorgungsgebiet des ZLS kommt ihm eine große Bedeutung innerhalb der Wasserversorgung der Staufenberger und Lollarer Stadtteile zu. Seitdem er in Betrieb ist, wurden 50 MillionenKubikmeter Trinkwasser über die Speicheranlage verteilt.
Ein bis zweimal im Jahr werden alle der elf Behälter vom ZLS gereinigt. Dabei sei im
vergangenen Jahr Mitarbeitern aufgefallen, dass sich im Speicher am Weidhof der Oberflächenschutz an manchen Stellen aufgelöst habe, sagt ZLS-Geschäftsführer Jochen Becker auf Nachfrage dieser Zeitung. Es handele sich um Verschleißerscheinungen, die an sich nicht schlimm seien, aber auf lange Sicht eine Sanierung unumgänglich machten. »Bevor wir es schnell und unter Druck reparieren müssen, haben wir uns entschieden, schon jetzt tätig zu werden«, sagt er.
Um den Überblick über die notwendigen Arbeiten zu erhalten, beauftragte der ZLS
im Sommer ein Ingenieur- und Planungsbüro, die Gebäudesubstanz zu untersuchen. Ergebnis war der Vorschlag, den Hochbehälter in drei Abschnitten zu sanieren. Die erste Bauphase begann bereits im August und dauert bis Mai 2016. Sie umfasst die Reparatur der beiden Speicherkammern mit einem speziell für den Trinkwasserbereich entwickelten mineralischen Mörtel. Nachdem der alte Oberflächenschutz komplett entfernt wird, trägt eine Spezialfirma die neue Beschichtung am Boden und an der Wasserkammerdecke auf. Mörtel dieser Art sollen beispielsweise mikrobielle Ablagerungen im Trinkwasser verhindern.
Die Firma soll außerdem die Rohrleitungen innerhalb der Kammern erneuern und Be-und Entflütungsanlagen einbauen. Hinzukommt der Bau von Edelstahltreppen inner-
halb der Speicher. Denn: Bisher war der Zugang nur über an der Wand montierte Leitern möglich. Nach einer Rettungsübung, bei der der ZLS-Chef das Unglücksopfer spielte, hatten die Verantwortlichen Handlungsbedarf erkannt. »Es ist nicht einfach, jemanden vom Boden des Behälters über diese alten Leitern zu bergen«, sagt Becker.
Seit Mitte November ist die erste der beidenWasserkammern fertiggestellt. Der zwei-
te Behälter war derweil in die Wasserversorgung mit eingebunden. Während der Weihnachtsfeiertage will der ZLS beide Speicher in Betrieb nehmen, um dann ab Anfang des Jahres den zweiten Behälter sanieren zu lassen. In der zweiten Bauphase ist geplant, die Außenabdichtung der Wasserkammern und deren Wärmedämmung zu sanieren. Im dritten Abschnitt werden dann laut ZLS die rohrleitungstechnischen Installationen innerhalb der Bedienkammer der Trinkwasserspeicheranlage komplett erneuert.
Wenn das alles geschafft ist, soll es einen Tag der offenen Tür geben. Ein »Wasserfest«, wie Becker sagt. Mit vollen Wasserkammern, statt jeder Menge Hall.

Warum Wasserspeicher?
Der Wasserverbrauch einer Siedlung ist imTagesverlauf ungleichmäßig: Nachts
werden die Wasserhähne kaum aufgedreht, aber etwa ab 6 Uhr morgens steigt der Verbrauch stark an. Morgens und mittags kommt es zum Spitzenverbrauch. Der
Unterschied zwischen der geringsten und der höchsten Abgabemenge an einem Tag
kann durchaus das Verhältnis 1:10 betragen. Diesen Schwankungen können die Wassergewinnungsanlagen laut Zweckverband Lollar-Staufenberg nicht folgen.
Außerdem bestehen starke jahreszeitliche Schwankungen in der Wasserabgabe. An einem heißen Sommertag wird wesentlich mehrWasser verbraucht als an einem Wintertag. Der ZLS verfügt deshalb über elf Speicheranlagen. Mit deren Hilfe sollen die großen Schwankungen ausgeglichen werden.
Fotos: bkf


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